EU Verbot Plastiktüten

 

Nichts drückt den Charakter unserer Wegwerfgesellschaft besser aus als die Plastiktüte. Supermarktkunden und Shopping-Begeisterte benutzen sie nur für wenige Minuten, während die Natur rund 450 Jahre braucht, um den vermeintlich harmlosen Gebrauchsgegenstand zu zersetzen. Zwei Tatsachen, die in keinem Vergleich stehen und deshalb ein europaweites Umdenken einleiten sollen.


(Noch) nicht verbieten aber reduzieren


Jeder EU-Bürger verbraucht pro Jahr rund 200 Plastiktüten. Und damit sind nur jene gemeint, die 0,05 Millimeter dick und an jeder Kasse für durchschnittlich 10 Cent, manchmal sogar für lau zu haben sind. Obst-, Frischfleisch- und Gemüsebeutel sowie dickwandige Tiefkühltaschen zählte die EU-Kommission nach eigener Aussage erst gar nicht mit.

Sie werden den Kunden auch erhalten bleiben und landen aus einem einfachen Grund nicht auf dem Plastiktüten-Index: Was sie ersetzen könnte ist entweder unhygienisch oder umweltschädlich und kostspielig. Daher geht die jüngste Innovation aus Brüssel nur der ordinären Einkaufstüte an den Kragen. Ihre Anzahl soll sich in den kommenden Jahren auf 40 Stück pro Kopf und Jahr reduzieren. Deutsche Verbraucher sind mit 71 Tüten bereits auf einem guten Weg. Schwerer dürfte es den Portugiesen und Polen fallen. Sie benutzen jährlich circa 500 Exemplare.


Die Sünden der Plastiktüte


Sind die Einkäufe nach Hause getragen, wandert die Tüte sofort in den Müll. Bestenfalls wird sie noch zum "Auffanglager" für selbigen umfunktioniert und landet dann gut gefüllt auf der Deponie. Trotz allen europäischen Umweltbewusstseins enden viele Einkaufstaschen achtlos im Straßengraben und damit in der Natur. Giftige Weichmacher gelangen so ungehindert in den Kreislauf der Nahrungskette.

Noch drastischer ist die Situation auf den Weltmeeren: 94 Prozent aller Nordsee-Vögel weisen winzig kleine Plastikteilchen in ihren Mägen auf. Einige davon waren eindeutig Tüten zuzuschreiben. Millionen davon treiben unbeschädigt durch die Ozeane und gaukeln Schildkröten vor, sie wären Quallen. Als falsche Lieblingsspeise der gepanzerten Reptilien getarnt, führt die Einkaufstasche für die Tiere schlussendlich zu einem qualvollen Tod durch Ersticken.


Tütenfreie Zone: Zwei balinesische Mädchen machen es vor


Auf der indonesischen Insel Bali gibt es ein Problem: Tonnen von Plastikmüll liegen entlang der Straßen oder werden einfach unter freiem Himmel verbrannt. Müllkippen und Wertstoffhöfe existieren nicht. Wo also hin mit dem ganzen Dreck?

Schon mit zehn Jahren begriffen die beiden Schwestern Melati und Isabel Wijsen, dass Missstände mitsamt der Wurzel ausgerissen werden müssen und gründeten das Umweltprojekt "Bye, Bye Plastic Bags Bali". Was die EU in ferner Zukunft anstrebt, ist den engagierten und inselweit bekannten Umweltaktivistinnen bereits gelungen: In einem Pilotdorf werden keine Einweg-Einkaufstüten mehr ausgegeben. Länder wie Bangladesch und Ruanda verbieten die Umweltschädlinge sogar ganz und wer auf der tansanischen Insel Sansibar mit einer Tüte erwischt wird, muss mit 2000 Dollar Strafe rechnen.

Bildquelle: ©iStock/John_Galt111



zum PROTECTO-Newsletter anmelden!